Ladungssicherung auf dem Anhänger: Methoden, Gurte und Fehler
Ladung auf dem Anhänger muss nach § 22 StVO so gesichert sein, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlichem Ausweichen nicht verrutscht, umfällt, rollt oder herabfällt. Wer mit einem Pkw-Anhänger schlecht gesicherte Ladung fährt, zahlt laut Bußgeldkatalog 35 €, bei Gefährdung anderer 60 € und einen Punkt in Flensburg.
Ladungssicherung ist keine Empfehlung, sondern Pflicht: Nach der
Straßenverkehrsordnung muss Ladung so verstaut und gesichert sein, dass sie
selbst bei Vollbremsung oder Ausweichmanöver nicht verrutschen, umfallen
oder herabfallen kann. Verantwortlich ist dabei nicht nur der Verlader,
sondern auch die fahrende Person.
Rechtsgrundlage und Bußgelder im Überblick
| Regel | Inhalt | Grundlage |
|---|---|---|
| Sicherungspflicht | Ladung, Sicherungsmittel und Ladeeinrichtungen so verstauen, dass nichts verrutscht, umfällt, rollt, herabfällt oder vermeidbaren Lärm macht; die anerkannten Regeln der Technik sind zu beachten | § 22 Abs. 1 StVO |
| Regeln der Technik | Richtlinienreihe VDI 2700 „Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen“; Blatt 16 gilt für Fahrzeuge bis 7,5 t einschließlich mitgeführter Anhänger | VDI 2700 ff. |
| Breite und Höhe | Fahrzeug und Ladung höchstens 2,55 m breit und 4 m hoch | § 22 Abs. 2 StVO |
| Überstand nach hinten | bis 1,50 m, auf Strecken bis 100 km bis 3 m; ab mehr als 1 m über die Rückstrahler mit hellroter Fahne oder Schild von mindestens 30 × 30 cm kennzeichnen | § 22 Abs. 4 StVO |
| Ladung nicht gesichert (Pkw und Pkw-Anhänger) | 35 €; mit Gefährdung 60 € und 1 Punkt | BKat Nr. 102.2 und 102.2.1, FeV Anlage 13 |
| Ladung nicht gesichert (Lkw, Bus und deren Anhänger) | 60 € und 1 Punkt; mit Gefährdung 75 € und 1 Punkt | BKat Nr. 102.1 und 102.1.1 |
| Vermeidbarer Lärm durch Ladung | 10 € | BKat Nr. 103 |
| Unzulässiger Überstand oder Maße überschritten | 20 € | BKat Nr. 105 |
| Kennzeichnung des Überstands fehlt | 25 € | BKat Nr. 106 |
Welche Kräfte muss die Sicherung aushalten?
Die Berufsgenossenschaft ETEM nennt in ihrer Broschüre „Ladungssicherung“ eine Tabelle auf Basis der VDI 2700 mit folgenden Orientierungswerten: Bei einer Gefahrenbremsung drückt die Ladung mit 80 % ihres Gewichts nach vorn, bei Fahrzeugen bis 2,0 t zulässiger Gesamtmasse mit 90 %; nach hinten sind 50 % anzusetzen, zur Seite je nach Fahrzeugklasse 50 % bis 70 %. Verbindlich für eine Berechnung ist die jeweils aktuelle Fassung der VDI 2700 beziehungsweise der DIN EN 12195-1.
Nach diesen Orientierungswerten muss eine Kiste mit 200 kg nach vorn mit der Kraft von 160 kg gehalten werden – durch Formschluss, Reibung oder Gurte.
Die drei Sicherungsarten
Formschluss
Die Ladung steht bündig an Bordwänden, Stirnwand oder anderen festen
Begrenzungen, sodass sie sich gar nicht erst bewegen kann. Das ist die
einfachste und zuverlässigste Methode – deshalb lohnen sich Anhänger mit
festen Bordwänden für unregelmäßige Ladung.
Kraftschluss (Niederzurren)
Zurrgurte pressen die Ladung auf die Ladefläche; die Reibung hält sie an
Ort und Stelle. Entscheidend ist die Vorspannkraft, nicht die Anzahl der
Gurte – und die Reibung zwischen Ladung und Boden. Antirutschmatten erhöhen
diese Reibung erheblich und sind das günstigste wirksame Hilfsmittel
überhaupt.
Direktzurren
Gurte oder Ketten verbinden die Ladung direkt mit Zurrpunkten – als
Diagonal-, Schräg- oder Kopfzurrung. Das ist die Methode der Wahl für
Fahrzeuge und Maschinen, etwa beim Transport eines
Minibaggers oder auf einem
Autotransportanhänger.
Worauf es bei Zurrgurten ankommt
- LC-Wert: die zulässige Zurrkraft steht auf dem Etikett
des Gurtes – ein Gurt ohne lesbares Etikett gilt als nicht verwendbar. - Zustand: Einschnitte, Scheuerstellen oder verformte
Ratschen bedeuten Aussortieren, nicht Weiterbenutzen. - Kantenschutz: scharfe Kanten zerstören Gurte unter Last
– Kantenschoner kosten wenig und erhalten die volle Sicherungswirkung. - Zurrpunkte: nur belastbare, dafür vorgesehene Punkte
verwenden, niemals Bordwandscharniere oder Beleuchtungshalter.
Häufige Fehler
- Die Ladung wird nur „festgezurrt“, ohne Antirutschmatte – die
Sicherungswirkung ist dann deutlich geringer als angenommen. - Schwere Einzelstücke liegen zu weit hinten. Das verringert die
Stützlast und ist eine der häufigsten Ursachen für pendelnde Anhänger –
siehe unseren Ratgeber
zur Stützlast. - Gurte werden über scharfe Kanten geführt.
- Die Ladung wird nach den ersten Kilometern nicht noch einmal
nachgespannt – gerade bei Formschluss setzt sich Ladung.
Vor dem Losfahren
- Schwere Teile über oder knapp vor die Achse, gleichmäßig über die
Breite verteilt. - Antirutschmatten unterlegen.
- Form- oder Direktzurrung wählen, passend zur Ladung.
- Gurte spannen, Kantenschutz nicht vergessen.
- Nach kurzer Fahrstrecke anhalten und nachspannen.
Die verbindlichen Vorgaben stehen in der Straßenverkehrsordnung und den
einschlägigen technischen Regelwerken; im Zweifel geben Prüforganisationen
verbindlich Auskunft. Passende Anhänger mit Bordwänden und Zurrpunkten
finden Sie in unserer
Kaufberatung für PKW-Anhänger; für den Tiertransport mit Trennwand und Rampe gibt es eine eigene Übersicht unserer Pferdeanhänger.
Häufige Fragen
Wie muss Ladung auf einem Anhänger gesichert werden?
So, dass sie bei Vollbremsung und Ausweichmanöver weder verrutscht noch
umfällt oder herabfällt. In der Praxis über Formschluss, Niederzurren mit
Antirutschmatten oder Direktzurren – oft als Kombination.
Reichen zwei Spanngurte?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten: entscheidend sind Gewicht,
Reibung und die zulässige Zurrkraft der Gurte, nicht deren Anzahl. Eine
Antirutschmatte verbessert die Wirkung häufig stärker als ein zusätzlicher
Gurt.
Wer haftet bei mangelhafter Ladungssicherung?
Verantwortung trifft in der Regel mehrere Beteiligte, darunter die
fahrende Person und den Verlader. Die genaue Zuordnung ist eine
Rechtsfrage – diese Seite gibt einen Überblick und ersetzt keine
Rechtsberatung.
Was kostet ungesicherte Ladung auf dem Anhänger?
Mit Pkw und Pkw-Anhänger sieht der Bußgeldkatalog 35 € vor, bei Gefährdung anderer 60 € und einen Punkt in Flensburg. Für Lkw, Busse und deren Anhänger sind es 60 € und ein Punkt, mit Gefährdung 75 € und ein Punkt.
Wie weit darf Ladung hinten überstehen?
Nach § 22 Abs. 4 StVO bis 1,50 m, auf Fahrten bis 100 km bis 3 m. Ragt die Ladung mehr als 1 m über die Rückstrahler hinaus, muss das Ende mit einer hellroten Fahne oder einem Schild von mindestens 30 × 30 cm gekennzeichnet werden; wenn Beleuchtung nötig ist, etwa bei Dunkelheit, zusätzlich mit einer roten Leuchte.
Ist die VDI 2700 Pflicht?
Die VDI 2700 ist kein Gesetz. § 22 StVO verlangt aber ausdrücklich, die anerkannten Regeln der Technik zu beachten – und als solche wird die Richtlinienreihe in der Praxis herangezogen.
Welche Kräfte muss die Ladungssicherung aushalten?
Als Orientierung nennt die Berufsgenossenschaft ETEM (Tabelle auf Basis der VDI 2700): nach vorn 80 % des Ladungsgewichts, bei Fahrzeugen bis 2,0 t zulässiger Gesamtmasse 90 %; nach hinten 50 % und zur Seite 50 % bis 70 %. Verbindlich ist die aktuelle Fassung der VDI 2700. Ein Teil der Kräfte wird durch Reibung aufgenommen, den Rest müssen Formschluss oder Gurte übernehmen.
Wie breit und hoch darf ein Anhänger mit Ladung sein?
Fahrzeug und Ladung dürfen zusammen höchstens 2,55 m breit und 4 m hoch sein. Wer die Maße überschreitet, zahlt laut Bußgeldkatalog 20 €, bei einer Gesamthöhe über 4,20 m 60 € und einen Punkt.
AnhängerPlus aus Hamburg fasst in diesem Ratgeber § 22 StVO und die Regelsätze des Bußgeldkatalogs zusammen (Stand: September 2026). Er ersetzt keine Rechtsberatung; verbindlich sind Gesetz und die technischen Regelwerke.